Pacifico Bio

Pacifico Bio: Pilze aus Sachsen gegen das Brauereisterben

Im Osten was Neues: Pilzproduktion in Brauereifermentern statt erst viel Geld in eigene Produktionsanlagen stecken zu müssen. Das ist das verkürzte Geschäftsmodell von Pacifico Bio, die mit einigem Investorengeld nicht nur erste Produkte bald auf den Markt bringen wollen, sondern auch recht schnell eine globale Ausdehnung anstreben.

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Das Berliner FoodTech-Startup Pacifico Biolabs, das seine Labore und die ganze Entwicklung in der BioCity Leipzig betreibt, hat in einer Serie A-Runde 7 Mio. Euro eingesammelt, um seine Myzel-basierte Proteinproduktion auszubauen. Angeführt wurde die Finanzierung von Stray Dog Capital und TGFS, beteiligt sind zudem FoodLabs, Sprout & About Ventures, Simon Capital sowie ein regionaler Brauerei-Partner. Mit dem Kapital will Pacifico die Produktion in Sachsen hochfahren, neue Mitarbeiter einstellen und den Markteintritt im DACH-Raum sowie Nordeuropa vorbereiten.

Keine eigenen Fermenter, sondern Nutzung von Brauereien

Der Ansatz des Unternehmens reiht sich in eine wachsende Bewegung ein, bestehende Brauerei-Infrastruktur für neue biotechnologische Anwendungen zu nutzen. So arbeitet etwa auch Mushlabs bereits mit der Bitburger Braugruppe seit einiger Zeit daran, Pilzfermentation und Brauereikapazitäten zusammenzubringen. Pacifico setzt dabei ebenfalls auf Fermentation mit Pilzmyzel, verfolgt jedoch einen stärker auf industrielle Skalierung und Proteinproduktion ausgerichteten Ansatz.

Kern der Technologie ist die Nutzung vorhandener Brauereitanks statt speziell entwickelter Bioreaktoren. Damit will das Unternehmen die hohen Produktionskosten fermentationsbasierter Lebensmittel senken und gleichzeitig ungenutzte Kapazitäten der europäischen Brauwirtschaft erschließen. Hintergrund sind rückläufiger Bierkonsum und damit freie Fermentationskapazitäten auf der einen Seite sowie Europas hohe Abhängigkeit von Proteinimporten auf der anderen.

Geheimer Brauereipartner in Sachsen als Türöffner für die Welt

Pacifico plant, seine Produkte bis Ende 2026 gemeinsam mit Marken- und Handelspartnern in den Markt zu bringen. Der aus Schottland stammende CEO Zac Austin beschreibt den Ansatz als Verbindung aus „deutscher Brautradition und moderner industrieller Biotechnologie“. Für Investoren wie TGFS gilt das Modell als Beispiel für eine kapitaleffiziente Bioökonomie, die bestehende industrielle Infrastruktur weiter nutzt statt neue Produktionskapazitäten aufzubauen.

Das Pilzmyzel wird dann als Fleischersatzprodukt verwendet und in einer ersten Produktlinie als Hühnerfleischersatz eingesetzt. Geschmacklich soll sich kaum ein Unterschied feststellen lassen, schreibt der Autor Hans von der Brelie in einem umfangreicheren Porträt auf EuroNews.

Dass sich Brauereien als eine der ältesten biotechnologischen Produktionsanlagen auch für moderne Anwendungen neben Bier eignen können, versuchen weitere Firmen mit der Nutzung der sogenannten Nebenströme zu verwirklichen. Die EAT BEER Biotech GmbH aus Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) entwickelt etwa modulare Produktionssysteme zur Verwertung von Biertreber (BSG/Brewers Spent Grain) und anderen Brauereinebenströmen. Mithilfe von lebensmitteltechnologischen Prozessen wie Fungifermentation und weiteren biotechnologischen Verfahren sowie digitaler Prozesssteuerung und automatisierten Produktionsmodulen entstehen so alternative Proteinrohstoffe und biobasierte Komponenten für die Lebensmittelindustrie. Auch die Protein Distillery in Ostfildern bei Stuttgart setzt auf Biernebenströme und die dabei verwendete Hefe. Deren hoher Proteingehalt wird in einem eigenen Verfahren aufgereinigt und kann als Lebensmittelzusatz verwendet werden.

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